Pilger in den Alpen – warum?

Als Pilger durch die Alpen wandern, davon habe ich schon lange geträumt. Bereits 2010 hatte ich eine Alpenüberquerung geplant, doch als ich mir bei einem Unfall den Fuß schwer verletzte, zerplatzte dieser Traum jäh. Die Hiobsbotschaft der Ärzte: ich werde wohl nie wieder vernünftig gehen können. Als Trostpflaster und Zeitvertreib im Krankenhaus habe ich das Buch Über die Berge zu mir selbst: Ein Banker steigt aus und wagt ein neues Leben von Rudolf Wötzel geschenkt bekommen. Dieses Buch hat mir Mut gemacht, in größeren Dimensionen zu denken. Ich schwor mir damals, sollte ich jemals wieder in der Lage sein, längere Touren zu gehen, werde ich mir diesen Traum erfüllen! Nach vier Jahren wusste ich, meine Ärzte hatten nicht recht behalten. Schritt für Schritt habe ich meinen Fuß wieder ans Wandern und Bergsteigen gewöhnt.

Als die Entscheidung feststand, dass ich als Pilger durch die Alpen wandern möchte, fing ich an, in guter alter Manager-Manier einen Projektplan zu erstellen. Denn ohne Planung lässt sich so ein Trip nicht umsetzen:

 

Unterwegs auf Schusters Rappen

Diese Pilger-Reise unternehme ich nicht, um Rekorden hinterherzujagen. Deshalb steht für mich fest, dass ich ausschließlich mit meiner Muskelkraft durch die Alpen reisen werde. Das schließt zwar Fahrrad- oder Bootfahren etc. nicht aus, aber in erster Linie werde ich mich zu Fuß fortbewegen, so wie es schon die Pilger in füheren Zeiten taten. Seilbahnen, Busse, Bahn und Auto sind tabu.

 

Pilger in den Alpen – alleine, aber nicht einsam

Ich werde alleine durch die Alpen pilgern, zum einen, da gerade dieses Alleinsein das ist, was ich hier suche, und zum anderen, da es nicht ganz einfach ist, einen Wanderkameraden zu finden, der a) auch so viel Zeit hat, b) die gleiche Tour machen möchte und c) mit dem man es so lange so eng miteinander aushält. Dennoch werde ich nicht permanent alleine sein. Zum einen leistet mir vielleicht der eine oder andere Freund für ein paar Etappen Gesellschaft. Dann gibt es Etappen, die ich nicht ohne Bergführer angehen werde, eine Gelegenheit, viel Neues zu lernen, auf die ich mich schon sehr freue! Abends auf den Hütten findet man schnell Gesellschaft – wenn man es will. Und wenn man bei dieser Gelegenheit feststellt, dass man sich gut versteht und am nächsten Tag das gleiche Etappenziel hat, dann wird es bestimmt das eine oder andere Mal vorkommen, dass man gemeinsam geht. Wie auch immer, ich freue mich auf alle Fälle auf all die spannenden und hoffentlich interessanten Begegnungen.

 

Safety first

Alleine in den Alpen zu wandern birgt neben den üblichen Gefahren zusätzlich ein besonderes Risiko: passiert etwas, so ist niemand zur Stelle, der Hilfe holen kann, ich bin ganz auf mich alleine gestellt. Deshalb habe ich mir fest vorgenommen: ab einem gewissen Schwierigkeitsgrad einer Etappe oder wenn ich einen Gletscher überqueren muss, ist es für mich keine Frage – hier gehe ich nur zusammen mit einem Bergführer. Während der vielen Etappen, die ich alleine bewältigen werde, setzte ich insbesondere auf drei Sicherheitsaspekte: erstens kündige ich mein Kommen beim Hüttenwirt meines nächsten Etappenziels an. Zweitens gehe ich früh los, das erhöht die Chance, dass hinter mir weitere Wanderer kommen und auf mich stoßen, sollte mir etwas zustoßen. Für Notfälle werde ich darüber hinaus ein Satelitentelefon mit mir führen, denn in den Bergen auf eine Mobilfunk-Verbindung zu setzen ist keine gute Idee.

bergpilger-kette-tierkunst-Bernhard-von-MenthonUnd ein bisschen Aberglaube sei auch noch erlaubt! Ich habe mir von der Künstlerin Susan Monroe in den USA ein Amulett des Hl. Bernhard von Menthon anfertigen lassen. Dieses habe ich von der Künstlerin Beate Kuczera in Deutschland mit einer Fellkugel unseres Hundes Jakob zu einer Halskette komplettieren lassen. So sind beide stetige Begleiter auf meiner Pilger-Tour durch die Alpen.

 

Balsam für Körper und Seele

Auch ein Pilger braucht von Zeit zu Zeit eine Pause. Vorzugsweise werde ich mir diese im Tal gönnen. Dann sind auch mal ein Wellness-Hotel oder andere Annehmlichkeiten erlaubt!

 

Gut vorbereitet gewinnt

Nicht nur die Auswahl der Ausrüstung und die Tourenplanung entscheiden über Erfolg oder Scheitern – auch der körperliche und mentale Zustand sind wesentliche Erfolgsfaktoren.

Seit Dezember 2014 trainiere ich mehrmals in der Woche meinen Körper. Krafttraining gibt es im Fitness-Center, Ausdauertraining zusätzlich auch noch in natura. Regelmäßig schnalle ich mir meinen Rucksack mit meinem Reisegewicht von ca. 17 kg auf den Rücken und gehe Höhenmeter sammeln. Beliebtes Ziel ist dabei die Burg, oberhalb unserer Stadt gelegen. Da die Höhendifferenz allerdings nur knapp 100 m beträgt, muss ich mehrmals hoch und runter gehen, bis das Trainings-Soll erfüllt ist. Allerdings bin ich offensichtlich nicht der einzige, der so trainiert, es kam schon vor, dass ich dabei Gesellschaft bekam.

 

 Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht

 

Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum.     [Albert Einstein]

 

Trotz sorgfältiger Planung gibt es immer noch viele Gründe, weshalb dieses Vorhaben scheitern kann. Z.B. könnte meine alte Verletzung, ein Unfall oder ein sonstiges körperliches Versagen mich zum Aufgeben zwingen. Ich könnte mich aber auch einfach nur überschätzt haben und komme mit dem Alleinsein nicht so gut klar wie ich dachte. Ich bin mir dieser Widrigkeiten bewusst, aber mit diesen Risiken muss leben. Denn wenn ich später durch mein Museum (siehe „The big Five for Life“) gehen werde, möchte ich nicht feststellen müssen, dass dieser Raum leer geblieben ist!

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