Tag 11+12: Das Wetter ist mein Feind

Fr., 19. Juni 2015, Pause in Saalfelden

Off der Bank vor dem Hof sitzend mache ich die Planung für die kommenden Tage
Bei der Planung für die nächsten Tage

Das Wetter ist nicht gerade auf meiner Seite. Das einzig Positive, das ich dem abgewinnen kann, ist, dass ich viel Zeit zum Lesen habe. Ich setze mich also nach dem Frühstück draußen an den Tisch, doch nach einer Weile ist es einfach zu ungemütlich, weshalb ich mich hoch in mein Bett verziehe.

 

Bloggen als Beschäftigungstherapie

Heute lerne ich, wie ein Smartes Business Konzept aussieht und auf welche Fallstricke ich achten muss, damit ich nicht die angestrebte Unabhängigkeit wieder verliere. Ich bin echt fasziniert, welche Geschäftsmodelle es heute dank der modernen Internet-Technologien gibt und welche Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben einem smart designte Geschäftsprozesse ermöglichen.

Irgendwann fällt mir die Decke auf den Kopf. Ich beschließe, die vier Kilometer runter nach Saalfelden zu gehen und mich dort nach einem Internet-Café umzuschauen, damit ich endlich meine Artikel der letzten Tage online stellen kann. Leider gibt es aber keines mehr, obwohl im Internet noch eines verzeichnet ist. Jaja, das Internet vergisst eben nichts.

Stattdessen setze ich mich in ein normales Café und fange an, wenigstens schon einmal die Texte hochzuladen und zu formatieren. Das ist am Smartphone zwar etwas fummelig, geht aber. Bevor ich sie freischalten kann, müssen aber noch die Fotos reinkommen. Doch da gibt es leider eine Stelle in dem Workflow, an der ich mit dem Handy scheitere. Also muss das Ganze leider warten bis ich eine andere Lösung gefunden habe.

Ich halte mich über zwei Stunden an zwei Latte Macchiato auf, weshalb die Bedienung beim Zahlen scherzte, dass sie schon dachte, ich wollte hier übernachten.

Den Rest des Tages verbringe ich also wieder auf dem Hof. Leider hat mich inzwischen die Nachricht erreicht, dass morgen die Bergfeuer wegen schlechtem Wetter nicht stattfinden werden.

Morgen Früh werde ich mir das Wetter anschauen und entscheiden, ob ich endlich wieder aufbrechen kann oder nicht.

 

Sa., 20. Juni 2015, Pause in Saalfelden

Das Wettter treibt mich noch in die Verzweiflung!
Das Wettter treibt mich noch in die Verzweiflung!

Morgens um sechs Uhr geht mein erster Blick raus in Richtung Himmel: Das Wetter ist durchwachsen. Es könnte halten, es könnte aber auch Regen geben. Ich finde, mit dieser Prognose habe ich mich gerade zum Wetterfrosch qualifiziert. Zur Sicherheit schaue ich aber lieber doch noch nach, was die Profis bei Bergfex sagen. Und das sieht gar nicht gut aus. O.K., der Regen ist zwar nicht schön, aber kein echter Hinderungsgrund. Es soll aber im Laufe des Tages Schneefall bis auf 1.800 m ü. M. geben. Das würde für meine Etappe also 300 Höhenmeter in Schnee und Nebel bedeuten, somit wird das heute nichts.

 

Ich bin kurz davor, hinzuwerfen!

Ganz so schlimm ist das für meinen Zeitplan zwar nicht. Ich muss in Kaprun ohnehin warten, bis das Päckchen mit meiner neuen Literatur und den Karten ankommt. Dennoch schlägt mir das zum Nichtstun verdammt sein mächtig auf mein Gemüt.
Ich lege mich wieder hin und merke, wie ich gerade in ein absolutes Tief rausche. Erst klappt es mit meinen Wunschgipfeln nicht, dann kann ich meine Blogbeiträge nicht freischalten, die Bergfeuer fallen ins Wasser und ich hänge hier fest. Schleichend kommt die Frage hoch, warum ich das hier eigentlich mache!

Diese Stimmung ist gefährlicher Nährboden für Heimweh. Mit Bianca telefoniere ich ja wenigstens hin und wieder, das hilft schon sehr. Aber unser Hund Jakob tut mir so leid. Ihm können wir nicht einfach erklären, warum sein Herrchen so lange weg ist. Ich bin früher ja immer wieder mal auf Dienstreise gewesen. Und selbst wenn sie zwei Wochen andauerte, hatte ihm das nichts ausgemacht. Aber Jakob ist ja nicht doof! Der hat sehr gute Antennen für seine Umwelt. Und deshalb merkt er bestimmt, dass dieses Mal etwas anders ist. Auch wenn Bianca nach außen hin Stärke zeigt, bin ich mir sicher, dass Jakob sie durchschaut. Genau so wie 2010, als ich nach meinem Unfall zwei Wochen im Krankenhaus lag. Er spürte damals die Aufregung seiner Leute. Das ging ihm derart an die Nieren, dass wir uns etwas hätten einfallen lassen müssen, wenn ich noch länger hätte bleiben müssen.

 

Bianca – meine Retterin aus der Ferne!

Im Laufe des Vormittags kommt mir eine Idee: ich bitte Biana, für mich den einen aber entscheidenden Schritt in meinem Blog am Rechner zu machen. Mit Hilfe von FaceTime kann ich sie live durch die Schritte führen. Das klappt wunderbar. Somit hat sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe erlegt: ich kann meine Wartezeit sinnvoll mit Artikel schreiben nutzen, meine Stimmung hellt sich auf, weil ich beschäftigt bin, und meine Leser bekommen neuen Stoff! Das hat meinen Tag gerettet!

 

Der Abend hält noch eine unerwartete Wendung für mich bereit

Am späten Nachmittag beschließe ich, noch mal nach Saalfelden runter zu gehen, mal sehen, ob ich da was Leckeres zu Essen finde. Da ich Banause mir vorgestern nicht das alte Rathaus angeschaut hatte, ist mein erster Besuch ihm gewidmet.

Zu meiner Überraschung finde ich vor dem Rathaus um 17 Uhr noch einen Markt vor, damit habe ich gar nicht gerechnet. Es sind lauter italienische Stände und einer bietet leckerere Sachen an als der Nächste. Besonders pfiffig ist allerdings ein Stand, der bietet nämlich seine Ware nicht nur zum Mitnehmen an, bei ihm bekommt man auch einen Italienischen Mix Teller mit Antipasti, Oliven, Schinken, Salami, Käse und Brot zum gleich Essen. Den gönne ich mir, hole mir am Nachbarstand noch ein Glas Wein und setze mich an einen Tisch, an dem ein jüngeres Paar sitzt.

Während ich mich voller Hingabe durch meinen riesigen Teller arbeite, unterhalten wir uns ein bisschen, bis die zwei aufbrechen. Inzwischen regnet es mal wieder kräftig, das kann mir aber egal sein, sitze ich doch unter einem großen Schirm. Ich fange gerade an, mit meinem Teller zu kämpfen, da kommen die Beiden von eben wieder. Unsere Unterhaltung wird intensiver und wir fangen an, uns gegenseitig Getränke auszugeben. Später werde ich auf einen warmen Tee zu den Beiden nach Hause eingeladen, was ich gerne annehme.

Die Begegnung mit Babsi und Gerry hat meinem Tag noch eine positive Wendung gegeben.
Die Begegnung mit Babsi und Gerry hat meinem Tag noch eine positive Wendung gegeben.

Babsi und Gerry heißen sie und wir verbringen gemeinsam noch einen schönen Abend. Sie sind so herrlich unkompliziert und entspannt und ich fühle mich vom ersten Moment an wohl in ihrer Gegenwart. Ich bin mir sicher, die zwei haben ihre Lebensbalance gefunden und haben mir somit einiges voraus, obwohl sie noch viel jünger sind als ich.

Um 22 Uhr mache ich mich dann doch mal auf den Weg, schließlich darf ich ja noch vier Kilometer zurück laufen. Ich habe es tatsächlich geschafft, hart zu bleiben und das Angebot, gefahren zu werden, ausgeschlagen.
Versöhnt blicke ich auf einen Tag mit Höhen und Tiefen zurück und schlafe im nu ein.

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