Tag 15: Die Ungewissheit bleibt

Di., 23. Juni 2015, Zwangspause in Kaprun

 

Diesen beiden Freundchen verdanke ich eine Zwangspause - und das gerade jetzt, wo das Wetter besser werden soll!
Diesen beiden Freundchen verdanke ich eine Zwangspause – und das gerade jetzt, wo das Wetter besser werden soll!

Nach dem Aufwachen schaue ich mir als erstes meine Fersen an. Die heimliche Hoffnung, dass ich die Blasen nur in einem schlechten Traum hatte, löst sich leider in Wohlgefallen auf. Die sind immer noch in voller Pracht da! Ich beschließe, einen Arzt aufzusuchen, denn jetzt brauche ich einen vernünftigen Plan. Mein Problem: es regnet. In meine Bergstiefel werden mich heute ganz sicher keine zehn Pferde bekommen. Bleiben also meine Schlappen. Doch mit denen kann ich unmöglich durch den Regen laufen, damit würde ich alles nur noch schlimmer machen.

 

Entschleunigen hatte ich mir anders vorgestellt

Der Hotelchef lässt mich freundlicherweise an seinem Rechner meine Fotos kopieren.
Der Hotelchef lässt mich freundlicherweise an seinem Rechner meine Fotos organisieren.

Also frühstücke ich erst einmal in aller Ruhe. Anschließend komme ich auf das Angebot des Hotelchefs zurück und gehe an seinen Rechner, um von meinen Bildern Sicherungskopien anzufertigen. Die schicke ich bei nächster Gelegenheit mit nach Hause. Doch der Teufel steckt im Detail. Auf dem Rechner arbeitet ein nicht mal annäherungsweise aktuelles Betriebssystem, weshalb er sich weigert, meine Speicherkarte zu lesen. Also stöpsle ich erst mal mein GPS-Gerät an, um meine aufgezeichneten Tracks herunterzuladen. Mit denen kann ich später meinen Fotos Geokoordinaten zuweisen, so dass ich immer nachvollziehen kann, wo jedes Foto entstanden ist. Beim abkoppeln des GPS kommt mir eine Idee: von den Anschlüssen her müsste das Kabel an meine Kamera passen. Vielleicht kann ich ja so auf meine Kamera zugreifen? Ja, es scheint zu gehen, zumindest die RAW-Dateien kann ich so herunterziehen, wenn auch in zermürbender Langsamkeit! Das nenne ich „Digitale Entschleunigung“!

 

Meine einzige Chance: radikale Plananderung

Inzwischen hat der Regen aufgehört und die Straße ist wieder leidlich trocken, so dass ich mich auf den Weg zum nächstgelegenen Arzt mache. Um 11:30 komme ich an, da der Herr Doktor aber nur bis 11 Uhr arbeitet, wird das heute nichts mehr. Ob er auch das Buch Die 4-Stunden-Woche von Timothy Ferriss gelesen hat? Und damit er auch ja nicht über die Vier-Stunden-Grenze kommt, arbeitet er morgen gar nicht. Also muss ich es morgen bei der Vertretung versuchen.

Statt dessen gehe ich runter ins Zentrum, um ein paar Besorgungen zu machen: neuen Regenschutz für meinen Rucksack, Reinigungsbenzin, um die Überreste der Blasenpflaster aus meinen Socken zu vertreiben sowie neues Kartenmaterial, um zu sehen, welche Alternative ich gehen könnte, sofern es überhaupt weitergeht. Denn das mache ich von dem Ergebnis des Arztbesuches morgen abhängig. Leider muss der Buchladen die erforderlichen Karten bestellen, was bis Donnerstag Nachmittag dauern wird. Naja, so wie es aussieht, werde ich die nächsten Tage eh hier bleiben, ob ich will oder nicht!

Ich bin zur Pause gezwungen, ob ich will oder nicht! Da mach ich doch besser das Beste daraus.
Ich bin zur Pause gezwungen, ob ich will oder nicht! Da mach ich doch besser das Beste daraus.

Während ich in der Lounge des örtlichen Sportartikel-Händlers gemütlich einen Kaffee trinke und an meinen Berichten schreibe, treffe ich eine konsequente Entscheidung: wenn es hier weitergehen soll, dann muss ich meine Pläne nicht nur den aktuellen (Schnee-)Bedingungen sondern vor allem an meine aktuellen Möglichkeiten anpassen!

Erste Maßnahme: ich verordne meinem Rucksack eine gnadenlose Schlankheitskur. Meine Ausrüstung muss nur noch für normales alpines Wandern reichen. Somit fliegen schon mal Gurt, Klettersteig-Set, Helm und etwas Sicherungsmaterial raus. Falls ich später doch noch was Größeres machen möchte, muss mir der Bergführer eben diese Dinge stellen. Sollte bei deren Preise wohl drin sein. Außerdem werde ich auch alles andere durchforsten auf der Suche nach unnötigem Ballast.

Alles Weitere wird sich morgen zeigen.

 

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