Tag 16+17: Tourenplanung 2.0

Mi., 24. Juni 2015, Kaprun

Ich frühstücke zeitig, damit ich früh zum Arzt gehen kann, wer weiß, welche Hürden da noch auf mich warten.

Gegen 8:30 komme ich in der Praxis an, doch – als hätte ich es geahnt – jetzt ist keine Ordination. Ich solle um 10:30 wiederkommen.

Im Handumdrehen stehe ich wieder auf der Straße. Als allererstes schaue ich bei Wikipedia nach, was Ordination genau bedeutet, nicht dass ich da einen kleinen aber entscheidenden Haken übersehe. Aber es bedeutet – wie ich schon vermutet hatte – einfach die Sprechstunde.

Auf dem Rückweg denke ich noch mal über alles nach. Mein Schwager hat es vor kurzem vielleicht etwas überspitzt formuliert: „Jetzt scheint mir das ja noch mehr ein ‚Müssen‘ zu sein.“ Aber in der Tat habe ich noch nicht meinen Rhythmus gefunden. Und wenn ich nicht in ein paar Tagen wieder wegen irgendetwas pausieren möchte, dann muss ich etwas ändern. Genau hierzu ist den letzten zwei Tagen in meinem Kopf ein 4-Punkte-Plan herangereift:

  1. klaren Schwerpunkt meiner Tour definieren
  2. Gewicht des Rucksacks reduzieren
  3. kleinere Etappen vornehmen
  4. Alternativ-Route zu Großglockner und Großvenediger ausarbeiten

Ich gebe zu, meine Tour habe ich ein wenig wie eine Eier-legende Woll-Milch-Sau geplant. Ich wollte von der einfachen Wanderung über Klettersteige bis zur anspruchsvollen Hochtour alles „mitnehmen“. Entsprechend hatte ich von der Badehose bis zur Klettersteig- und Hochtouren-Ausrüstung alles eingepackt. Durch meinen gestrigen Entschluss, das Profil meiner Tour klarer einzugrenzen, kann ich auf einige Ausrüstungsgegenstände verzichten.

Zurück im Hotel mache ich mich deshalb auch gleich daran, Punkt zwei umzusetzen. Der komplette Inhalt meines Rucksacks landet auf meinem Bett. So habe ich die Beste Übersicht. In Anlehnung an Aschenputtel wandern die Guten in Rucksack, die Schlechten ins Päckchen. So kommen fast 3 kg zusammen, die ich von nun an nicht mehr durch die Berge schleppen muss. Auch wenn ich mehr Einsparung erwartet habe, es wird sich bestimmt bemerkbar machen.

Das Klingeln meins Handy erinnert mich daran, dass ich wieder los zu Frau Dr. muss. Obwohl ich eine halbe Stunde vor der Zeit ankomme, bin ich bei weitem nicht mehr der erste.

Doch schon nach einer Stunde Wartezeit bin ich an der Reihe. Die Ärztin ist selbst leidenschaftliche Bergsportlerin, weshalb sie meine Situation aus eigener Erfahrung gut kennt. Und sie macht mir gleich ganz viel Mut! So schlimm, wie ich dachte, ist es wohl nicht. Mehr als ein bisschen Wundsalbe und zwei bis drei Tage Pause seien nicht nötig. Und ich habe mich gedanklich schon auf zwei Wochen eingestimmt! Außerdem gibt sie mir vernünftige Blasenpflaster mit, denn die, die ich habe, sind für meinen Fall nichts. Das sind doch mal gute Aussichten! Ich bin begeistert!

Im Hotel verhandele ich erst mal mit dem Chef des Hauses einen anderen Tarif aus, wenn ich verlängere. Sein Angebot überzeugt mich noch nicht, doch zähneknirschend willigt er bei meinem Gegenangebot ein. Was bleibt ihm auch übrig, sein Haus ist bei Leibe nicht ausgebucht, da ist weniger Umsatz immer noch besser als gar keiner. Denn alternativ hätte ich die Unterkunft gewechselt.

Anschließend lasse ich mir noch einen leeren Karton geben, in den ich meinen aussortierten Ballast einpacke. Als wolle ich ihn nur noch loswerden, bringe ich das Paket gleich zur Post – was weg ist, kann mich nicht mehr belasten.

Morgen geht es mit meiner Plananpassung weiter.
Mi., 24. Juni 2015, Kaprun

Die wenigen Meter bis zur Burg Kaprun schaffe ich auch in meinen Hütten-Schlappen.
Die wenigen Meter bis zur Burg Kaprun schaffe ich auch in meinen Hütten-Schlappen.

Den Vormittag verbringe ich mit Lesen und Spazieren. Voller Ungeduld warte ich, bis es 15 Uhr ist. Dann sollten meine Karten da sein. Mit diesen kann ich meine Punkte 3+4 umsetzten. Und so fügt es sich, dass in den Hohen Tauern noch zu viel Schnee liegt. Ich kann es mir nämlich kaum vorstellen, dass es mir sonst so leicht gefallen wäre, über eine Alternativ-Route nachzudenken.

Ein bisschen komisch ist es ja schon: ein Italienisch-Griechisches (!) Restaurant in Österreich (!), auf das in Arabisch (!) hingewiesen wird...
Ein bisschen komisch ist es ja schon: ein Italienisch-Griechisches (!) Restaurant in Österreich (!), auf das in Arabisch (!) hingewiesen wird…

Im Buchladen dann die schlechte Nachricht: die wichtigste der beiden Karten ist nicht lieferbar! Und jetzt? Im Hotel darf ich freundlicherweise noch mal an Rechner. Dort kann ich auf www.gpsies.com versuchen, auch ohne Karte eine Route auszuarbeiten. Immerhin möchte ich zu Anfang den Pinzgauer Höhenweg entlanggehen. Und tatsächlich, nach zwei Stunden habe ich neue Tracks für mein GPS und auf einen Zettel jede Menge Zwischenziele, jeweils mit Entfernung und zu überwindende Höhenmeter. So kann ich mir im Anschluss auf der Terrasse bei einem Radler Tagesetappen zusammenstellen, die meistens die neuen Regeln erfüllen.

 

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