Tag 2: bei Gott Zuhause

10. Juni 2015, vom Zeppezauerhaus bis zum Stöhrhaus

 

Blick zurück zum Zeppezauerhaus
Blick zurück zum Zeppezauerhaus
Nur wenige Meter fehlen dem Zeppezauerhaus, um freie Sicht zu haben.
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Um 5 Uhr wage ich einen ersten Blick aus dem Fenster. Es ist nicht einmal der Boden vor der Hütte zu sehen, so neblig ist es. Trotzig wie ein kleines Kind, das sein Eis nicht bekommt, schlüpfe ich zurück in mein Bett. Doch um halb sieben gibt es kein Pardon mehr, ich muss raus. Plötzlich hellt das Zimmer sich auf! Neugierig schaue ich raus und was ich sehe, katapultiert schlagartig meine Stimmung nach oben: durch ein kleines Loch im Nebel erkenne ich blauen Himmel. Das wird ein guter Tag!

 

Wie im siebten Himmel

Gut gelaunt gehe ich frühstücken und eine halbe Stunde später bin ich schon unterwegs. Zwar wieder im Nebel, aber ich weiß ja, dass mich hundert Meter weiter oben blauer Himmel und Sonnenschein erwartet.

Oben auf dem Geiereck erwartet sich dann ein Panorama, das in den kühnsten Träumen nicht sagenhafter sein könnte. Zweihundert Meter über der weißen Nebelmasse fühle ich mich, als ob ich fliege. Nur vereinzelt schafft es ein Gipfel, aus dieser Suppe herauszuluggen. Hier ist ein guter Ort, einen nahegelegenen Geocache zu suchen, quasi als Pausen-Programm.

 

Endlich ist es das erste mal soweit!

Währen der nächsten Stunden bin ich endlich in dem Zustand, nach dem ich mich so lange gesehnt hatte: mein Kopf ist frei von irgendwelchen Gedanken. Es zählt nur der Augenblick, die Landschaft und die nächsten Schritte. Es läuft heute zwar besser als gestern, aber irgendwie haben sich meine Füße immer noch nicht an das Gewicht meines Rucksacks gewöhnt. Sie drohen mir mit Blasen! Diesen Aufstand versuche ich umgehend mit Tape niederzuschlagen, mit halbwegs erträglichem Erfolg.

Als ich dann das erste Mal aus der Ferne das Stöhrhaus erblicke, schleicht sich ein Gedanke in meinen Kopf: willst Du nicht im Störhaus übernachten statt weiter nach Berchtesgaden zu laufen? Zum einen würden mir es meine Füße danken, zum Anderen könnte ich hier oben in der Sonne bleiben, statt in diese Nebelsuppe hinabzusteigen. Meine Gedankenspiele werden jedoch von einem Schild unterbrochen, das darauf hinweist, dass in fünf Gehminuten der Gipfel des Berchtesgadener Hochthron zu einem Rundumblick einlädt. Das will ich mir nicht entgehen lassen, werfe meinen Rucksack in eine Latschenkiefer am Wegesrand und schwebe gleichsam von der Last befreit die letzten paar Meter hoch. Dieser grandiose Anblick hat den Entschluss in mir besiegelt, tatsächlich hier oben zu übernachten. Der Nebel kann warten!

 

Das größte Schlafzimmer, das ich je hatte!

Voller Vorfreude gehe ich den letzten halben Kilometer zum Stöhrhaus und wenige Minuten später bin ich registrierter Gast! Diesmal kann ich das Thema Planänderung zu meinen Gunsten nutzen.

Heute gönne ich mir „nur“ einen Platz im Matratzenlager. Ist aber nicht weiter schlimm, denn ich habe das ganze Dachgeschoss für mich alleine, muss es mir nicht mit über dreißig Anderen teilen!

 

Ein guter Ort, die Gedanken fliegen zu lassen

Den Nachmittag verbringe ich erst im Schatten mit Lesen, später zieht es mich aber doch wieder auf die Terrasse in die Sonne. Schnell komme ich mit einer Dreiergruppe Tageswanderern ins Gespräch und während wir so am Philosophieren sind, vergeht der Nachmittag wie im Flug.

Als die drei sich auf den Rückweg machen, meldet sich plötzlich mein Magen. Postwendend wird er mit leckeren Kaspressknödeln und Weißwein zufriedengestellt, während ich mich von dem Ausblick einfach nicht satt sehen kann. So sitze ich, der untergehenden Sonne zugewandt, lese hin und wieder ein wenig in dem einzigen Papier-Buch, das ich mitschleppe: Smart Business Concepts – Finden Sie die Geschäftsidee, die Ihr Leben verändert von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg. Ehrenfried hatte ich vor kurzem in Berlin auf der DNX, der Konferenz Digitaler Nomaden kennengelernt. Ehrenfried, an der Tatsache, dass ich Euer Buch mit hier hoch schleppe, seht Ihr, wie wichtig mir Euer Buch ist! Aber eine eBook-Ausgabe währe wäre mir wirklich lieber gewesen ;-). Wie auch immer, ich kann mir kaum eine bessere Umgebung als hier oben vorstellen, um über meine Zukunft nachzudenken! Ich glaube, Gott „wohnt“ auch so oder so ähnlich!

 

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