Tag 42: Gesellschaft unerwünscht

Mo. 20. Juli 2015, vom Walter-Brenninger-Biwak zur Brixner Hütte

 

Endreignung
Endreignung
Bevor es weitergeht, versteht es sich von selbst, alles sauber zurückzulassen.
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Da ich spät in Schlaf gefunden hatte, wache ich erst um sieben Uhr auf. Als erstes koche ich mir einen Kaffee, der zusammen mit belegten Broten von gestern mein Frühstück bildet. Während ich esse, schreibe ich meinen Logeintrag in das Hüttenbuch und bedanke mich bei Hugo für seinen wahnsinnigen Einsatz!

 

Durch die grüne Wüste

Nachdem der Abwasch erledigt ist, packe ich meinen Rucksack und schnüre meine Schuhe. Dabei reist mein linker Schnürsenkel. Jetzt schon, das kann doch nicht wahr sein! Beim genaueren hinsehen erkenne ich, dass eine der Ösen auch bald ihren Geist aufgeben wird. Mit diesen Schuhen habe ich von Anfang an kein Glück!

Ich binde den Schnürsenkel behelfsmäßig wieder zusammen und breche kurz nach acht Uhr auf. 25 Minuten später bin ich wieder oben auf meinem Weg. Wehmütig werfe ich noch einen letzten Blick runter zum Biwak, bevor es hinter Felsen verschwindet. Ab hier gehe ich den Pfunderer Höhenweg. Er führt mich während der nächsten Stunden über die Dannelscharte durch schöne saftig grüne Steilhänge zur Kellerscharte.

Oben angekommen erkenne ich, dass am Ende eines großen Kars noch ein ordentlicher Aufstieg auf mich wartet. Zwei junge Frauen, die mir hier oben begegnen, trösten mich, dass die Brixner Hütte kurz hinter der Steinkarscharte liegt.

Motiviert mache ich mich auf den Weg durch diese grüne Wüste. Zwei Stunden später stehe ich vor dem letzten Anstieg des Tages hoch zur Steinkarscharte. Hier scheinen nach dem letzten Winter mächtige Steinschläge abgegangen zu sein. Neu angelegte Pfade und loses Geröll machen den Aufstieg mühsam und kräftezehrend. Erst nach über einer Stunde komme ich oben an.

 

Auf Rheinländer ist Verlass

Eine halbe Stunde später wird das Versprechen der beiden Frauen wahr und ich erreiche die Brixner Hütte. Wie gewohnt starte ich meine Kontaktanbahnung, indem ich einen älteren Herren frage, ob an seinem Tisch noch ein Platz für mich frei sei. Er nickt und ich setze mich dazu. Kurze Zeit später setzt sich noch seine Frau an den Tisch. Wie zufällig versuche ich, mich in ihr Kartenstudium einzuklinken, aber die beiden springen auf meine Anbandelung nicht an. Ich unternehme weitere zwei Versuche, ebenfalls erfolglos.

Resigniert ziehe ich mich zurück und bringe erstmal meine Sachen zu meinem Bett. Heute gönne ich mir mal wieder eine warme Dusche, die letzte liegt sechs Tage zurück und hier scheint es entsprechende Infrastruktur zu geben.

Zum Abendessen sehe ich zu, nicht an den Tisch des älteren Ehepaares zu müssen. Ich versuche mein Glück an einem Tisch, an dem zwei jüngere Männer und eine etwas ältere Frau sitzen, diesmal mit Erfolg! Es stellt sich heraus, dass es Mutter und Söhne sind, die auf dem Weg zum Hochfeiler sind, wobei die Mutter, die sehr pilgererfahren ist, den Gipfel auslässt. Ich verstehe mich mit den dreien aus dem Rheinland auf Anhieb bestens, und so wird es wieder ein schöner Hüttenabend. Das stoffelige Ehepaar am Nachbartisch kann mir diesen Abend nicht mehr kaputt machen!

 

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