Tag 6: Und plötzlich sind wir zwei

So., 14. Juni 2015, von der Wasseralm zum Kärlingerhaus

 

Morgentoilette
Morgentoilette
Hier ist eben alles noch etwas ursprünglicher.
« 1 von 10 »

 

Beim Frühstück stellt sich heraus, dass neben mir noch ein Pärchen und ein einzelner Wanderer zum Kärlinger Haus wollen. Mit einem „Bis später“ verabschieden wir uns alle. Doch schon wenige Meter später ergibt es sich, dass der Sologänger, Sven ist sein Name, und ich uns wieder treffen. Während wir so miteinander quatschend weitergehen, entsteht ganz unausgesprochen eine Wandergemeinschaft, die den ganzen Tag anhalten wird. Wir haben uns gegenseitig viel zu erzählen, was die Zeit schnell vergehen lässt.

 

Auf den Hund gekommen

Am Fuße des Halsköpfl beschließen wir, kurz hochzusteigen und die Aussicht zu genießen. Wir legen unsere Rucksäcke am Wegesrand ab und absolvieren – um viele Kilo erleichtert – die wenigen Höhenmeter im Handumdrehen. Belohnt werden wir mit einem guten Blick zurück auf unsere gestrigen Wege, sowie zum Watzmann und runter auf den Königssee. Während wir von uns gegenseitig „Gipfelfotos“ machen, kommt Verstärkung auf vier Pfoten angelaufen: ein Terrier, sein Herrchen und Frauchen im Schlepptau. Die drei sind mir gestern schon auf der Wasseralm aufgefallen. Mit Hund stelle ich mir so eine Bergtour auch toll vor. Da unser Hund Jakob aber seeeeehr ausführlich jeden Grashalm untersuchen muss, würden wir wohl nie ankommen. Was Jakob wohl gerade denkt, wo sein Herrchen abgeblieben ist? Meine Partnerin hat ihm extra drei getragene T-Shirts von mir an seine Lieblingsplätze gelegt, und offensichtlich legt er sich mit Vorliebe auf diese drauf.

 

Teurer Toilettengang

Unser Weg führt uns weiter hoch, vorbei an zwei schönen Seen, doch zum Baden ist uns beiden nicht zumute. Nach knapp fünf Stunden kommen wir an unserem Tagesziel an. Mit ist heute mal wieder nach einer warmen Dusche. Wenn man – natürlich erfolglos – vor seinem eigenen Muff versucht wegzulaufen, wird es langsam Zeit. Da ja Wasser, vor allem warmes Wasser hier oben echte Mangelware ist, muss man für drei Minuten drei Euro investieren. An der Toiletten-Türe steht, dass selbst eine Toilettenspülung Kosten von drei Euro verursacht!

Als ich mich in der Dusche ausziehe sehe ich plötzlich, dass ich mir heute, ohne es zu merken, eine Blase an der linken Ferse gelaufen habe, und zu allem Überfluss ist sie schon aufgerissen. Das wollte ich doch unbedingt vermeiden. Aber offensichtlich waren meine Schuhe heute Morgen noch sehr feucht und dann weicht die Haut eben auf. Nach dem Duschen verarzte ich die offen Blase erst mal mit Betaisodona. Den Tipp habe ich von Eddy, dem Freund einer früheren Mitarbeiterin.

Zusammen mit der Information, dass es morgen starke Niederschläge geben soll, habe ich nun gute Gründe, morgen einen Tag Pause einzulegen.

Während Sven noch mal eben den Feldkogel mitnimmt, setzte ich mal wieder ein Lebenszeichen nach Hause ab. Ich versuche, mich alle zwei Tage zu melden. Da ich hier oben keinen Handy-Empfang habe, gibt es heute nur eine einfache SMS per Satellitentelefon. Der Inhalt muss auf 140 Zeichen komprimiert werden, die restlichen 20 Zeichen gehen für Adresse und Steuerzeichen drauf. So lautet die Nachricht in etwa: „Bin da-und-da; mir geht es gut! Küsschen“. Das muss reichen, bis es mal wieder Mobilfunknetz gibt.

Nach dem Abendessen vereint sich die Truppe von Morgens wieder und gemeinsam lassen wir den Abend ausklingen.

 

< Tag 4+5  |  Tag 7 >

facebooktwittergoogle_pluspinterestmailfacebooktwittergoogle_pluspinterestmail

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>