Tag 7: Kreatives Nichtstun

Mo., 15. Juni 2015, Pause auf dem Kärlingerhaus

 

Obwohl mich heute nichts treibt, stehe ich kurz vor 6 Uhr mit Sven zusammen auf und leiste ihm beim Frühstücken noch Gesellschaft.

Als er aufbricht, setzte ich mich draußen auf eine Bank neben einen urig aussehenden, braun gebrannten, älteren Mann. Während wir so dasitzen und dem Regen zuschauen, kommen wir ins Gespräch. Er kommt aus dem Ruhrpott und ist seit einigen Jahren Rentner. Jedes Jahr kommt er für einige Wochen hier hoch und hilft dem Team in handwerklichen Dingen. Daneben nutzt er die Zeit, um die Umgebung des Kärlingerhaus zu erkunden, die er inzwischen wie seine Westentasche kennt. Er übt eine große Faszination auf mich aus, da er die Gelassenheit hat, die mir noch fehlt.

 

Die Linearisierung des Hamsterrades

Als gegen neun Uhr Ruhe einkehrt, haue ich mich erst noch einmal auf’s Ohr. Später dann schaue ich mir meine Blase an. Sieht ganz gut aus, scheinbar war der Tipp mit der Betaisodona gut. Danke Eddy! Als Anschlussbehandlung kommt ein Blasenpflaster drauf, bin gespannt, ob es verspricht, was es hält.

Den Nachmittag verbringe ich lesend.
Das Buch Smart Business Concept – Finden Sie die Geschäftsidee, die Ihr Leben verändert! von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg. Ehrenfried ist wirklich lesenswert und es hat sich gelohnt, das Buch in gedruckter Form mitgeschleppt zu haben.

Im Kern geht es in dem Buch darum, wie man sein Leben unabhängiger und freier gestalten kann. In einer Unterhaltung auf dem Stöhrhaus ist folgendes Bild entstanden:

Am Anfang ist man jung und hoch motiviert. Man möchte die Karriereleiter erklimmen. Mit den Jahren hat man sich so Sprosse für Sprosse hochgearbeitet. Die Luft wird dünner, doch es setzt gleichzeitig ein Höhenrausch ein. Wie bei vielen Rauschmitteln üblich, verlieren sie nach und nach ihre Wirkung. Um diesen Schwund zu kompensieren, muss man wieder ein paar Sprossen weiter klettern. Und so setzt sich Jahr für Jahr die Erfolgsstory fort. Wer schon mal auf einer echten, hohen Leiter stand, weiß: dadurch, dass man sich sehr nah an der Leiter aufhält, sieht man nur einen beschränkten Ausschnitt von der gesamten Leiter. So ist es auch auf der Karriereleiter. Deshalb merkt man gar nicht, wie sich die Leiter anfängt zu verbiegen und sich langsam aber stetig zu einem Kreis formt. Viel zu spät realisiert man dann, dass man sich in einem gnadenlosen Hamsterrad verfangen hat.

Ob Geschäftsführer, (leitende) Angestellte oder Unternehmer bzw. Selbständige – immer mehr Menschen beklagen, in diesem Hamsterrad gefangen zu sein. Mir erging es ähnlich. Ich habe immer mehr Lebensenergie in meinen Job gesteckt, Leidtragende waren neben mir selbst meine Familie und meine sozialen Kontakte. Und deshalb suche ich heute nach einem neuen Weg, der mir ein ausbalanciertes Leben ermöglicht. Dieses Buch wird mir hoffentlich bei meiner Suche helfen.

 

Ausgelassene Geselligkeit löst die meditative Ruhe ab

Langsam füllt sich die Gaststube. Da es die einzige mit einem Kachelofen ist, will jeder in „meiner“ Stube Platz finden, so dass es nicht lange dauert, bis alle Plätze voll sind. So geht der Nachmittag fliesend in Abend über.
An meinen Tisch gesellt sich ein jüngeres Paar, am Nebentisch lässt sich eine Gruppe älterer Herren nieder, an einem weitern Tisch eine Gruppe Studenten aus München, die wegen einer Projektarbeit hier sind und am anderen Ende des Raumes findet eine gemischte Gruppe aus Berlin Platz. Die älteren Herren bringen reichlich Stimmung in die Bude, so dass es ein heiterer Abend wird.

 

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